Als täglicher Konsument des Öffentlichen Verkehrs in Graz erlebt man so manche Skurrilität die dazu geeignet ist den Alltag zu erheitern. Zu den weniger positiven Momenten gehören jene, wenn das Scheitern am Fahrkartenautomat zu Frustration führt.
Es war in Summe sicher eine gute Idee den Fahrkartenverkauf in den Grazer Straßenbahnlinien vom Fahrer hin zu Automaten zu verlegen. In Summe erscheint es mir nicht nur aus Aspekten der Verkehrssicherheit sinnvoll, dass sich Fahrer von Straßenbahnen auf den Verkehr konzentrieren und nicht während der Fahrt mit Kleingeld hantieren.
Nicht nur an der Technik happert es regelmäßig

Häufig zu sehen in Graz - der Automat streikt wieder einmal.
In der Praxis gibt es aber offensichtlich Probleme mit den neuen Automaten. Abgesehen von den technischen Problemen, die (offensichtlich) noch immer eine Herausforderung darstellen, vergeht kaum eine Fahrt mit der Straßenbahn ohne, dass jemand Probleme mit der Bedienung des Automaten hat.
Das Bedienkonzept des Automaten scheint zwar relativ einfach und intuitiv, wenn man zur Generation zählt die mit Touch-Displays regelmäßig zu tun hat, dies gilt aber offensichtlich nicht für eine ältere Generation.
Beobachtet man den Fahrkartenautomat etwas aufmerksamer und verlässt bewusst die Anonymität des Übersehens von Hilfsbedürftigkeit, dann zeichnet sich eigentlich jeden Tag die selbe Geschichte. Ältere Damen oder Herren stehen etwas ratlos (resp. hilflos) vor dem Automaten und sind nicht dazu in der Lage das Gerät zu bedienen. Sicherlich könnte man an der Stelle sagen, dass man einfach hingehen sollte und behilflich sein sollte. (Anmerkung: –> Man sollte wirklich behilflich sein, es fällt einem kein Zacken aus der Krone wenn man freundlich fragt ob man helfen darf.)
Das öffentliche Scheitern als Demütigung
Das Problem ist aber aus meiner Sicht dennoch ein wesentlich weitreichenderes. Die Automaten befinden sich sehr exponiert und gut zugänglich in der Mitte der Straßenbahn. Es ist davon auszugehen, dass jeder der den Automaten bedient Teil der Öffentlichkeit der Straßenbahn ist. Durch diese Öffentlichkeit wird auch das Scheitern am Bedienkonzept, der zu kleinen Schrift oder des falsch eingeworfenen Kleingelds zu einem öffentlichem Akt.
Bedienkonzepte müssen Zielgruppengerecht sein – auch wenn das unbequem ist
Objektiv ist das Bedienkonzept (resp. die Usability) des Automatens relativ gut durchdacht. Es sind drei Schritte die zum Ziel führen (wählen / bestätigen / bezahlen), dennoch ist mir kaum jemand über 50 begegnet der nicht zumindest etwas verunsichert auf die Maschine starrte. Ich glaube dass entweder das Bedienkonzept vor der Einführung besser auf seine Zielgruppenverträglichkeit geprüft werden hätte sollen oder aber die Einführung begleitet werden hätte müssen.
Wäre es so abwegig gewesen in den Sommermonaten Ferialjobs zu schaffen, die darin bestehen, dass am Vormittag ein Wagenbegleiter (=Student / Schüler) neben dem Automaten steht und die Handhabung freundlich erklärt? Angesichts der sonstigen Kostenstruktur der GVB wäre dies eine relativ kleine aber sinnvolle Investition gewesen.
Die Würde im Alltag sollte nicht nur ein Lippenbekenntnis sein
Man darf eines nicht vergessen bei all den Freuden die die moderne Technik mit sich bringt.- Nicht alle können mit ihr schritthalten und viele brauchen mehr Zeit um mit ihr zurechtzukommen. Es ist eigentlich gegenüber der älteren Generation nicht angemessen Situationen zu schaffen in denen das öffentliche Scheitern an der modernen Technik zur Demütigung wird.
Vor allem in der Vorweihnachtszeit wird gerne hochtrabend von der unumstößlichen (Menschen-) Würde gesprochen. Es ist vielleicht nur eine Kleinigkeit wenn man es objektiv betrachtet, aber aus der subjektiven Perspektive des Betroffenen, wurde mit den Automaten eine Zugangsbeschränkung geschaffen die die Würde älterer Fahrgäste untergräbt.
Eine gezielte Informationskampagne als Lösung
Bessere Informationen für ältere Fahrgäste wären sicherlich angebracht. Sei es nun ein Flyer, eine Postwurfsendung oder aber ein Begleiter der gelegentlich zur “Seniorenzeit” in der Straßenbahn unterwegs ist. Eine entsprechende Medien- oder Informationskampagne würde Graz gut zu Gesicht stehen.