@werner_graz

Lernen als persistenter Prozess im Web – danke 2010

Das neue Jahr hat eben erst begonnen, ein idealer Zeitpunkt für ein paar Gedanken über das Sein des Alltags. 2010 war aus meiner Sicht von einem Paradigmenwechsel der Web Branche begleitet, – es ist wieder sexy dazuzulernen.

In der Web Branche zu arbeiten, hat einen Nebeneffekt von dem wohl jeder ein Lied singen kann. Unzählige Projekte, etliche Idee und immer zu wenig Zeit. Daraus resultiert schiebt wohl speziell in der IT Branche jeder seine “lange Bank” vor sich her ohne allzu oft auf dieser Platz zu nehmen. Bei dieser Ausgangslage ist es schnell verständlich, dass eine konsequente Weiterbildung gefährdet ist zu kurz zu kommen. Genau in diesem Punkt hat das Jahr 2010 aber einen spürbaren Paradigmenwechsel mit sich gebracht. Die Branche hat die liebe zu sich selbst wieder entdeckt und die Erkenntnis war nie stärker als heute, doch eigentlich erst am Anfang eines Lernprozesses zu stehen.

Doch, – Was ist 2010 geschehen, dass diese Liebe zur Selbstevolution ausgelöst hat?

Twitter ist mit lautem Donner in Europa angekommen

(Anm. – ja es gab schon vorher Early Adopter – auch in Graz…)
Die breite Masse der Web Branche hat Twitter als quasi offiziellen Buschfunk für sich entdeckt und damit neue Kommunikationsstrukturen geschaffen. Die radikal banale Konzeption von Twitter ist der Schlüssel zu einer neuen Vernetzung der IT Branche die vor Jahren undenkbar gewesen wäre.
Aus Konkurrenten wurden Follower. Das kochen der eigenen Suppe wurde damit etwas öffentlicher und noch etwas hat sich verändert. Man weiß vor allem durch Twitter woran andere Agenturen arbeiten und welche Projekte aktuell sind. Nicht weil jemand hartnäckig nachgefragt hat, sondern weil mit stolz darüber berichtet (= getwittert) wird.

Diese Vernetzung brachte aber noch eine zweite Änderung mit sich. Neue Themen lassen sich nicht so gut auf der “langen Bank” verstecken sondern werden proaktiv diskutiert. Wenn die Twitter Timeline sich mit neuen Themenfeldern füllt, dann ist das eine wesentlich persönlichere Anknüpfung an Themen als rein über Newsseiten.

Notwendigkeit der Multidisziplinarität zwischen SEO / CRO / SEM / Usability / WebDev etc.

Zunehmend komplexere Projekte beseitigen endlich einen Umstand den der viel zitierte Hausverstand schon öfters begraben hätte sollen. Für jede Subdisziplin gab es immer Experten der seine Sicht der Dinge hatte und der Scherbenhaufen der damit in den anderen Disziplinen angerichtet wurde, war ja nicht sein Problem (=Auftrag). Mit 2010 wurde mit dieser Trennung zumindest zum Teil gebrochen, jedoch nicht mit der Arroganz der One-Man-Freelancer Mentalität (der ja eh alles am besten kann…) sonder im Sinne konstruktiver Zusammenarbeit.
Es scheint sich langsam aber sicher die Erkenntnis durchzusetzen, dass erfolgreiche Projekte mehrere Perspektiven abdecken müssen und das führt dazu dass ein aktiver Erfahrungsaustausch zwischen den Disziplinen entsteht.

Auf einmal beginnt der SEO über CRO zu plaudern und die Adwords Marketer machen sich Gedanken ob man für den SEO Bereich nicht auch Landingpages mitmachen könnte. Das ist der Beginn der schönen neuen Welt. :-)

Auch dieser Punkt fördert jedenfalls aktiv die Notwendigkeit nach ständiger Weiterbildung in der Branche. Wer von den anderen Disziplinen nichts weiß, ist kein Fachmann sondern schlicht ziemlich blind.

2010 zitterte die IT Branche vor HTML5 und / oder dem IE6

2010 war nicht nur das Jahr der neuen Vernetzung, es war auch das Jahr in dem die Branche begonnen hat HTML5 ernst zu nehmen. Es gibt viele Gründe warum HTML5 im Jahr 2010 zu einem relevantem Theme wurde, obwohl es kaum einen nennenswerten Schritt näher zu einer finalen Definition gekommen ist. Web-Applikationen müssen mehr können um den Zeitgeist zu befriedigen. Spätestens mit der Eröffnung des neuen Marktsegments der Tablet-Pc’s (=iPad) sind komplexere Interfaces im Browser gefragt. HTML5 (anm. &CSS3) wird zu einer Realität werden lang bevor der Standard dafür endgültig definiert ist.

“Es ist angerichtet!”, würde der Chef de Rang sagen, – wer aber kocht die HTML5 Suppe? (Was für ein Wortspiel angesichts der Boilerplate… :-) ). Im Prinzip wäre alles sehr einfach, gäbe es da nicht den IE6 der sich noch immer beharrlich weigert endlich auszusterben.
Unabhängig vom Skepsis- oder Eskalationslevel angesichts von HTML5 Interfaces mit noch immer realen Marktanteilen des IE6, muss jede Agentur und jeder Entwickler sich der Herausforderung stellen.

Die real umgesetzten HTML5 Anwendungen aus 2010 halten sich in Grenzen, aber der Wissensdurst und die Freude am Lernen fegte durch die Entwickler Büros und hat Spuren hinterlassen.

Fazit: Eine Branche hat das Lernen wieder für sich entdeckt

In Summe sind es für mich diese drei Eckpunkte die den eingangs beschriebenen Paradigmenwechsel der IT Branche ausgelöst haben. Sicherlich könnte man viele Dinge anführen die ebenfalls 2010 relevant wurden (z.B. Node.js, fb HipHop, Rails3, OOCSS etc.) aber für mich sind das eher Nebenerscheinungen oder Symptome einer wachgerüttelten Branche.

Bis 2010 Bestand die Web Branche aus Early Adoptern die weit vor dem Branchenschnitt lagen und “Werbeagenturen” die dem Frameset treu ergeben blieben. Mit 2010 wurde diese starke Trennung etwas aufgebrochen. – es ist wieder sexy zu Lernen.

Die tägliche Weiterbildung und Informationsvernetzung (mit bestem Dank an prall gefüllte RSS Reader & Twitter) hat geschafft, dass Lernen wieder zu einem persistentem Prozess in der Branche wurde. – Danke 2010 für diese Entwicklung.

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Eine Antwort auf Lernen als persistenter Prozess im Web – danke 2010

  1. Falko sagt:

    Lehrreicher Artikel. Cool, wenn man das Thema auch mal aus einer anderen Perspektive beschrieben lesen kann.

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